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  1. #11
    SinaSina
    Gast

    Standard AW: Einschläfern? und wenn ja, wann?

    Zitat Zitat von Mexchen Beitrag anzeigen
    Wie passt in den ganzen Zusammenhängen hier überhaupt das Wort "Beißhemmung" ? Dieses Wort fiel ja schon mehrmals. Was ist das und passt das hier? Ich denke nicht.
    Der Begriff Beißhemmung ist ein Fachausdruck aus der Ethologie und wurde im deutschen Sprachraum vor allem bekannt durch das Buch Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen von Konrad Lorenz. In diesem Buch beschreibt Lorenz eine Zufallsbeobachtung im Whipsnade Zoo von London: den anfangs wilden Kampf zweier Wölfe.

    Lorenz hatte beobachtet, dass beide Tiere danach plötzlich still standen, und der jüngere (und unterlegene) der beiden Wölfe habe seinen Kopf zur Seite gedreht, auf diese Weise dem älteren (und überlegenen) seine ungeschützte Kehle darbietend. Der ältere Wolf habe sein Maul ganz dicht dem Hals des zweiten angenähert, ohne aber zuzubeißen.

    Konrad Lorenz empfand diese Situation so, als ob der unterlegene Wolf dem anderen Tier seine empfindlichste Körperstelle absichtlich derart ungeschützt präsentiert habe. Lorenz wörtlich: "Und es sieht nicht nur so aus, sondern es ist erstaunlicherweise tatsächlich so."

    Das vor Jahrzehnten bereits widerlegte Konzept einer angeborenen Beißhemmung bei Hunden und anderen Beutegreifern hält sich ungebrochen sowohl in Teilen der populärwissenschaftlichen wie auch der kynologischen Literatur, da auch erwachsene Hunde bei aggressiv erscheinenden, aber gleichwohl spielerischen Kämpfen die beschriebene Unterlegenheitsgeste gelegentlich durchaus zeigen.

    Zudem hatte Konrad Lorenz' anekdotischer Bericht aus dem Londoner Zoo zwar die größte Wirkung, er stand aber nicht allein. Schon 1943 – also inmitten des 2. Weltkriegs - hatte Lorenz so genannte Demutsgesten bei Mensch und Tier beschrieben, aufgrund derer beim überlegenen Gegner angeblich angeborene Hemmungsmechanismen aktiviert würden. Solche hemmenden Schlüsselreize hätten sich im Verlauf der Stammesgeschichte entwickelt, um weitere beschädigende Handlungen zu unterbinden, wenn das Ergebnis der Auseinandersetzung bereits eindeutig ist. (vergl. Zimen: Der Wolf, S. 76)

    Gegen diese Deutung des Verhaltens hatte sich vor Erik Zimen bereits 1967 der Basler Ethologe Rudolf Schenkel gewandt. Wie Zimen wies er darauf hin, dass sowohl Lorenz als auch Fischel so gut wie alles, was beim Hundekampf zu beobachten sei, missverstanden hätten (von Konrad Lorenz ist übrigens nicht bekannt, dass er jemals selbst Forschung an Hunden oder Wölfen betrieben hätte).

    Wenn ein Hund nach einer Rangelei seine Kehle darbiete, so sei es zum Beispiel stets das überlegene Tier, das so seine Überlegenheit anzeige, im Sinne von: "Ich bin so stark, dass du mir nicht mal in dieser für mich gefährlichen Situation an die Gurgel gehen kannst."

    Auf Drohverhalten, Imponieren und auf den ungeübten Beobachter aggressiv wirkende Aktionen folgen laut Erik Zimen beim Hund "nur in ganz seltenen Ausnahmefällen" wirklich ernsthafte Beschädigungskämpfe. Solche Kämpfe gebe es zwar, aber lautlos, ohne Ausdrucksverhalten und gleichsam hemmungslos, und sie würden "außerdem niemals durch demutsvolle Unterwerfung beendet werden".

    Die schwere Verletzungen vermeidende Zurückhaltung bei so genannten Schaukämpfen deutet Zimen als ein erlerntes Verhalten: "Die Angst der Tiere scheint hier eine ganz besonders wichtige Rolle zu spielen. Sie verhindert in der Regel, dass fest zugebissen wird, denn darauf reagiert der Gegner ebenfalls mit festem Beißen." (E. Zimen in: Der Wolf)

    Wer je das Aufwachsen gut sozialisierter, größerer Hunde miterlebt hat, wird dieser Beobachtung zustimmen können: Wenn Herrchen oder Frauchen dem Jungtier spielerisch die Faust ins Maul stecken, kaut es zunächst vorsichtig, zunehmend aber kräftiger auf ihr herum, oft gefährlich knurrend und mit arg gerunzelter Nase, ohne dass man sich vor dem jungen Hund ernsthaft fürchten müsste. Man muss ihm aber dennoch deutlich zeigen, ab welcher Bissstärke es zu schmerzhaft für den menschlichen Widerpart wird.

    Erik Zimen weist nach seinen jahrelangen Studien an Wölfen und Hunden darauf hin, dass die Welpen erst die Grenzen des spielerischen Kämpfens lernen müssen: "Die Beißhemmung beim Spiel der Welpen wie auch bei den meisten Formen aggressiver Auseinandersetzung unter den älteren Wölfen wäre demnach ein durch Lernprozess bedingter und auf der Angst vor Schmerz beruhender Mechanismus, der Verletzungen im Rudel weitgehend verhindert."

    Eine angeborene Form der Beißhemmung erkennen Zimen und andere Forscher daher nur im zurückhaltenden Verhalten ausgewachsener Tiere gegenüber Jungtieren (vergl.: Kindchenschema). Außerdem kann man aus diesen Studien ableiten, dass schlecht sozialisierte oder gar in ihrer Jugend misshandelte Hunde, die nicht lernen konnten, dass eigene Zurückhaltung auch den gegnerischen Hund (oder Mensch!) zur Zurückhaltung beim Schmerzzufügen veranlasst, hinsichtlich ihrer Aggressivität unberechenbar gemacht werden können.

    siehe Beißhemmung ? Wikipedia

    Hemmschwelle ist ein Begriff aus der Psychologie. Er beschreibt die Beobachtung, dass ein Mensch erst nach besonders intensiver Motivation bereit ist, eine bestimmte Aktion auszuüben, wenn diese gegen erlernte oder ererbte Verhaltensweisen verstößt.

    Ein Beispiel hierfür ist die regelmäßige Weigerung des Menschen, einen anderen Menschen zu töten. Die durch Moral und Gesetz aufgebaute Hemmschwelle wird in aller Regel nur in besonderen Situationen überwunden: u. a. nach starkem Alkoholgenuss, infolge psychischer Störungen oder durch gezielte Indoktrination.

    Auch Tieren wird gelegentlich eine „Hemmschwelle“ für bestimmte Formen des aggressiven Verhaltens zugeschrieben. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die so genannte Beißhemmung.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hemmschwelle
    Geändert von SinaSina (01.04.2009 um 16:25 Uhr)

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