Ich war immer eine von den 'Einen' - nicht unbedingt vermessen weil tagtäglich unter Beweis gestellt...

Kopfschütteln und verständnislos den immer wieder so zahlreich begegneten 'Anderen', die m.E. einfach keine Ahnung hatten oder nicht lernen wollten - weder aus ihren eigenen 'Fehlern' noch anhand von unzähligen Tips und aufklärenden Hinweisen - ich bin ja soo sprachgewandt .

Als ich dann so lebenslang selbstbeweihräuchert im 'knackigen' Alter unverhofft inmitten der 'Anderen' aus meinem Tiefschlaf aufwachte und feststellen musste, dass ich mich ohne Abweichung oder vorherige Ankündigung vom bisherigen Pfad der Tugendhaften und daher wohlverdient im Kreise der Verwöhnten entfernt hatte???

Fühlte ich am eigenen Leib, wie man und frau sich fühlt, wenn immer dann die ganze Welt aus den Fugen zu geraten scheint, sobald man da auftaucht wo man glaubt immer noch hinzugehören - mit einem Außerirdischen an der Leine, Kommunikation unmöglich wegen nicht eindeutig erkennbarer Sprachschwierigkeiten.

Jetzt begriff ich nach und nach, was es heißt - trotz aller der emsigen aber sichtbar unwirksamen Versuche, die 'Sache' schnellstmöglich und souverän in den Griff zu bekommen -, ständig als unwillig, denkfaul, bequem, gleichgültig und gar fahrlässig eingeschätzt und abgeurteilt zu werden. Eine völlig neue Situation und schmerzhafte Erkenntnis.

Diese Bewussseinserweiterung hätten böse Zungen auch durchaus als Altersweisheit bezeichnen können - war es aber nicht, denn ich fühlte mich so schutzlos und unsicher wie ein Kind am allerersten Schultag: Raus aus der wohligen Hülle der Vertrautheit, noch eingesponnen in watteweiche Polster der gutmütigen Entschuldigungen und Verzeihungen für seltenes und natürlich niemals selbstverschuldetes Versagen... in die Eiseskälte der beängstigenden und grausamen Wirklichkeit mit augenblicklicher Isolation.

Dass ich mich heute überwiegend wieder bei den 'Einen' aufhalte, verdanke ich dem damals fremden Wesen an meiner Seite. Geduldig, alles verzeihend, intelligent und gutmütig genug, mich zu leiten während der bis dato nur bekannten und einstudierten aber plötzlich nicht mehr funktionierenden Schwimmversuche in trüben und unbekannten Gewässern. Dass nicht mehr als Blasen, Beulen, Schrammen, Blutergüsse, Verstauchungen und der teilweise Gesichtsverlust an meinem Selbstwertgefühl kratzten aber keine größeren Unglücke geschahen, dafür bin ich ihm mein Leben lang dankbar.

Das Leben auf der Seite der 'Anderen' hat mir nicht nur die Augen geöffnet sondern auch mein Herz:
Heute höre ich erst zu, wenn mir verzweifelte Leinenhalter zu erklären versuchen, warum sie Probleme bei der richtigen Kommunikation mit ihren Fellnasen haben. Im Gegensatz zu früher, wo ich von vornherein ausschloss, dass sie je wirklich daran gearbeitet hatten - schließlich war nicht nur ich allein der lebende Beweis dafür, dass liebevolle Grunderziehung und konsequente Wiederholung ausreichen, um einen folgsamen und unauffälligen Vierbeiner durch alle Untiefen des Alltags zu führen. Überheblich und stolz an ihnen vorbeiging, während sie noch darum kämpften, ihre Vierbeiner unter Kontrolle zu bekommen. Für mich waren sie 'ungeeignet' und damit aus 'dem Rennen'.

Dass es an vorhandenen oder fehlenden Eigenschaften der Vorgänger meines heutigen Augensterns gelegen hatte, wurde mir erst so viele Jahre nach ihrem Ableben bewusst. Das dankbare Gefühl, zusätzlich zu den immer noch hin und wieder unverhofft fließenden heißen Tränen, in Gedenken an meine Sternenhunde lassen die schmerzlichen Verluste besser ertragen. Haben sie doch den Weg bereitet für die Ankunft des Samtfelligen - der auf seine ganz besondere Weise die Defizite ausgeglichen hatte und noch ausgleicht, die mir weder bewusst noch vorstellbar waren.

Ich fühle mich sauwohl in der Mitte, habe gelernt, dass nur wenige Millimeter Abweichung darüber entscheiden, wieder mal die 'Eine' oder die 'Andere' zu sein. Die Hauptsache für Dayo und mich ist, dass ich nicht mein Gleichgewicht verliere, egal, wie stolpernd oder beflügelt wir unserer Wege ziehen. Er ist mein Fels in der Brandung und wenn er mal wackelig scheint, dann liegt das an mir oder eindeutig höherer Gewalt .