Guten Morgen,

mir ist zu dem Thema ein noch weiterer Aspekt zu den bereits benannten ins Auge gefallen: Die menschliche Einstellung zu dem Thema, diese ist allerdings rasseunabhängig.

Es gab immer schon schon Beissvorfälle, eigentlich seitdem Menschen mit Hunden zusammenleben. Aber soweit brauchen wir gar nicht zurückgehen.
Kucken wir uns die letzten 40 Jahre an..

Innerhab meiner weiträumigen Familie gab es immer Hunde, einige von ihnen würde man heute als bissig bezeichnen. Meist waren das sogenannte TS-Fälle. Der Hund meiner Tante war da ein ganz besonderes Exemplar. Eigentlich ein total netter Kerl, aber ein Ressourcenverteider vor dem Herrn. Der Hund war der Hammer! Seine Couch, sein Frauchen alles seins.. Wenn wir als Kinder dort waren, gab es ganz klare Arbeitsanweisung. Der Hund wurde in Ruhe gelassen und wenn er warnte ( dies tat er im übrigen sehr schön und ausgiebig), dann hiess es Rückzug. Ein klassisches Training fand nicht statt. War damals so..man arrangierte sich mit dem Thema und zu schweren Verletzungen kam es nicht. Mein Onkel hatte ab und an mal ein Löchlein, aber das wars. Selbstverständlich wurde penibel darauf geachtet, dass wirklich nichts schlimmmers passierte und ein Training wäre sicherlich angebracht gewesen, aber es lief auch so gut.

An ihn wurden bei weitem nicht die Ansprüche gestellt, die heute meist in den Köpfen vieler Menschen ist. Er MUSTE nicht funktionieren. Seine Warnsignale wurden nicht missachtet.

Worauf ich hinaus will... Seitdem Einführen der Rasselisten aufgrund des damaligen Beissvorfalls in Hamburg hat sich auch die Einstellung der Menschen geändert ( so ist mein Empfinden). Ein Hund hat zu funktionieren und sich alles gefallen zu lassen. Diese Einstellung gepaart mit Unkenntnis über spezifisches Hundeverhalten, mangelndem Training bzw Handling und dann auch fehlende Verantwortung gegenüber dem Hund.. also das was ich verbockt habe, auch wieder auszubügeln.. Et voila..

Das es nun auch gehäuft RR betrifft, liegt wie schon beschrieben an der Zunahme der Anzahl wie auch an den entsprechenden Haltern.

Mein Rüde Jack kam aus der vorherigen Vermittlung zurück, weil er dort zum Ressourcenverteidiger gemacht wurde. Er begann ziemlich alles zu verteidigen, was ihm wichtig schien.. Futter, Liegeplätze, sein Herrchen... Es blieb bei eindeutigen Warnungen seinerseits, die aber reichten, sein Frauchen in pure Angst zu versetzen.
Er war vorher nachweislich definitiv unauffällig und danach auch. Nicht einmal wurde dies Verhalten bei mir gezeigt, noch nicht einmal entsprechende Tendenzen.
Für mich ein gutes Beispiel, dass ein sehr netter Hund, durch falsches Handling recht schnell in bestimmte Richtungen gedrängt werden kann.
Der züchterische Anteil liegt für mich in der Sozialisation der Welpen und der Auswahl geeignter wesenfester Hunde sowie der kritischen Betrachtung von Welpenkäufern.
Aber auch ein toller Welpe kann durch entsprechenden Umgang, mangelnder Erfahrungen etc sich zu einem Hund entwickeln, der zulangt. Andersrum kann aus einem Welpen mit suboptimalen Lebensstart ebenso ein super Begleiter werden.
Just my 2 cents..
LG
Verena