So, dann will ich auch mal meine Erfahrung schildern. Denn bei mir ist es ganz ähnlich wie bei Jehens.

Auch wir wohnen direkt am Wald, am Rand einer Kleinstadt. Die Wohnung ist ebenerdig, keine Treppen. Ich bin selbständig und hab mein Büro im Nachbarort, 7km entfernt. Meine Freundin ist berufstätig, kann den Hund aber nicht mitnehmen. Ich hatte bisher null Erfahrung mit Hunden, meine Freundin hatte früher einen Mischling.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt gesteinigt werde:
Wir haben unseren Bruno mit 12 Wochen bekommen, haben dann 2 Wochen Urlaub gemacht (erste Woche meine Freundin, zweite Woche ich) und am Freitag der zweiten Woche hab ich den Stinker mit ins Büro genommen. Direkt hinten im Auto auf die Rückbank und ohne viel tam-tam rüber ins Büro gefahren. Hat er super vertragen. Er liebt das Autofahren von Anfang an. Drei Tage später musste ich ihn sogar direkt 20 min allein im Auto lassen, weil ich einen Banktermin hatte. Als ich wieder raus komme liegt der Stinker gemütlich im Auto und pennt. Keinerlei Angst oder Aufregung, völlig relaxt.

Im Büro hat es von Anfang an ebenfalls bestens geklappt. Mit einer Ausnahme (Würmer) war er nach 4 Tagen komplett stubenrein. Wir haben gleich geübt, keine Besucher zu begrüßen (ausser ich erlaube es), auf dem Platz zu bleiben, nichts kaputt zu machen etc. Genau so, wie ich es zu Hause auch gemacht hätte.

Mittlerweile (Bruno ist jetzt acht Monate alt) sieht unser Tagesablauf so aus, dass meine Freundin morgens eine Runde mit ihm dreht (ca. 20-30 min), dann gibt's Futter zu Hause und ab neun sind wir im Büro. Zwischen 13 und 14 Uhr machen wir eine große Runde (30-50 min), dann futtern und Büroalltag bis abends, so ca. 18 Uhr. Abends gehen wir dann nochmal ca. 30-40 Minuten eine Runde (zumindest im Winter. Im Sommer ist die Abendrunde deutlich länger), dann Futter und pennen.

Bruno muss alle paar Wochen mal mit zum Kunden, dann wartet er bis zu 2 Stunden im Auto und pennt (wobei ich das natürlich zu vermeiden versuche. Wenn meine Kollegen im Büro sind, bleibt er da).
Letzte Woche kam es mal wieder vor, dass ich auf Geschäftsreise musste (passiert so 2-3 mal im Jahr) und meine Freundin keinen Urlaub bekam. Dann ist Bruno tagsüber bei meinen Schwiegereltern und freut sich nen Keks, weil es ihm dort super gefällt. Sicher auch ein Grund dafür ist, dass er nach 6 Wochen bei uns direkt mal 2 Tage da bleiben musste, weil wir beide auf einer Hochzeit in Süddeutschland waren. Das ist bestimmt nicht ideal gewesen und ich hätte es am liebsten vermieden, aber manchmal geht es nicht anders. Und im nachhinein war es nur gut für Bruno. Er kann problemlos mal bei Bekannten bleiben und fühlt sich wohl dort - auch über Nacht.

Wir üben so langsam aber sicher das allein bleiben. Bisher null Probleme zu Hause - bis zu einer Stunde.


Nun meine Meinung, Jehens:

holt euch einen Ridgeback Welpen vom Züchter, von privat, oder nehmt einen ausgewachsenen Ridgeback in Not. Je nachdem, wie es euch gefällt. Wir wollten persönlich einen Welpen, weil es einfach eine tolle Zeit ist, den kleinen wachsen zu sehen. Außerdem hat man den Vorteil, dass der Kleine alles von der Pieke auf lernt.
Wenn dein Chef und dein Arbeitsumfeld so locker sind, sehe ich überhaupt keine Probleme. Ich hab allerdings den Vorteil, dass meine Arbeit durch die Selbständigkeit sicherer ist, als dein Angestelltenverhältnis. Wenn du dir irgendwann mal eine andere Stelle suchen musst, kann es schnell vorbei sein mit dem Luxus, den Hund mitnehmen zu können (klar, auch mein Laden könnte baden gehen - geschenkt).

Ich versuche, es dem Hund so angenehm wie möglich zu machen. Aber ich will ihn auch nicht in Watte packen. Ein Welpe ist völlig unvoreingenommen und lernt durch die Erfahrungen, die er macht, wenn er bei mir aufwächst. Natürlich liegt einiges instinktiv in der Natur des Hundes, darauf muss man Rücksicht nehmen. Aber ich will, dass der Hund MIT mir lebt, und ich werde nicht FÜR den Hund leben. Manchmal muss ich für Bruno zurück stecken, manchmal er für mich.
Zum Thema Geschlecht kann ich keinen Rat geben. Allgemein habe ich die Erfahrung gemacht, dass Rüden relaxter sind und Weibchen zickiger. Bruno ist die Ruhe selbst (bisher), hat noch niemals irgendeine Art von Rüpelei oder Aggression gezeigt.

Er ist genau der Hund, den ich mir gewünscht habe. Es hätte garnicht besser sein können und ich liebe Bruno, als wäre er mein eigenes Kind!

Fazit: ich finde es prima, wenn Leute wie du sich vorher eingehend informieren und sogar so mutig sind, in einem Forum ganz konkret die Frage zu stellen, ob ein RR das richtige ist. Nehmt die Anschaffung eines Hundes wirklich ernst, aber stellt nicht alles so auf die Goldwaage, wie es der ein oder andere meiner Vorredner gemacht haben.
Natürlich muss die Entscheidung sauber gefällt sein, denn es gibt nichts schlimmeres, als den armen Hund irgendwann in ein Tierheim abzuschieben, weil man "sich das irgendwie anders vorgestellt hat".

Auf jeden Fall wünsche ich euch beiden jetzt schon viel Spaß mit euren Kacker. Er wird euer Leben um so vieles bereichern und schon nach kürzester Zeit könnt ich euch kein Leben mehr ohne ihn vorstellen.