Hallo, Mandy!

Ich halte ein Pärchen - kastrierter 10jähriger Rüde und intakte 5jährige Hündin. Buki war damals schon kastriert, als Rose kam, sonst hätte ich mich nicht in den Wahnsinn der Pärchenhaltung begeben. Allerdings vergisst Buki trotzdem gerne während Roses Läufigkeit, dass er kastriert ist und wir haben dann ein paar "etwas anstrengendere" Tage, um es mal euphemistisch zu formulieren. Die Konstellation, wie du sie dann hast - kastrierte Hündin und unkastrierter Bub - stelle ich mir einfacher und zumindest zwischen den beiden Hunden als neutralen Dauerzustand vor.

Du hattest wegen der Zusammenführung gefragt. Da kann ich nur meine eigene Erfahrung und meine Meinung wiedergeben. Bei uns hat Buki nicht mit ausgesucht. Ich wusste vorher, dass er jeden Welpen erst einmal blöd findet. Egal, welchen. Und einen Welpen, mit dem auch und vor allem ich selbst ein Hundeleben verbringen will, den suche ich nicht nach dem Kriterium "welchen blöden Welpen findet Buki am wenigsten blöd?" aus. Dann kam bei uns dazu, dass ich Roses Züchterin und ihre Hunde schon eine ganze Zeit vor Roses Geburt kannte - und Roses Mutter ist die einzige Hündin, mit der Buki nicht kann. Die beiden sind sich einfach nicht grün. Mir war völlig klar, dass ein Buki zwischen ihren Welpen aus dem "nicht grün" ein "kohlrabenschwarz" machen kann. Also fuhr ich ab Roses dritter Lebenswoche ohne Buki zum Welpenbesuch. Für mich war sowieso schon klar, dass es genau sie ist und kein anderer Welpe der Welt (man muss dazu sagen, dass ich ursprünglich eigentlich nur als "Patentante" zum Welpengucken gekommen bin und mein Zweithund aus einer anderen Verpaarung von einem anderen Züchter geplant war - aber Rose war es einfach und ist es auch heute noch ). Und noch ein Grund war: Ich finde, dass auch scheinbar gesunde "Fremd"hunde in einem Welpenalter, in dem das Immunsystem zwischen Muttermilch und Eigenaufbau gerade ein Loch hat, nichts bei einem kompletten Wurf zu suchen haben.

Am Abholtag wartete beim Heimkommen meine große (selbst hundehaltende, aber nicht mehr bei uns wohnende) Tochter draussen auf uns und hat Klein-Rose übernommen, so dass ich erst einmal welpenlos den mit dem Göttergatten daheimgebliebenen Buki begrüßen konnte. Rose wurde von meiner Tochter reingetragen. Bukis Reaktion war wie erwartet. "Oh, Gott, nun schleppt Tochti einen Welpen an!" Wohlgemerkt: Tochti, nicht ich . Als Rose auf den Fußboden gesetzt wurde, hopste sie erst einmal zu Buki, der sofort eine spontane Gelbsuchtwelpenattacke bekam und Rose wegknurrte. Rose in der Wohnung war für ihn soweit akzeptabel, aber bitte nicht näher als zwei Meter an ihn ran. Rose hat das absolut nicht verunsichert - als sehr menschbezogener Hund hat sie sich einfach den netten Menschen gewidmet. Als Tochti später wieder ging, merkte Buki dezent an, dass sie nun aber ihre Kröte vergessen hat...

Tja, die Kröte blieb. Nach drei Tagen durfte Rose über die Meterschwelle und nach einer Woche entdeckte Buki einen höheren Erziehungsauftrag. Hier wird nicht im Auto gebellt - patsch! Hier wird nicht beim Futtervorbereiten quietschend neben Frauchen hochgehüpft - patsch! Hast du nicht gehört, dass sie "Fuß" gesagt hat? - patsch! Rose hat sich in vielem an Buki orientiert. Manches musste ich ihr gar nicht groß beibringen, weil sie es einfach von Buki abgeguckt hat. "Platz" zum Beispiel. Oder der erste Pfiff mit der Pfeife. Da hat sie erst einmal geguckt, was Buki nun macht. Aha, der fliegt zu Frauchen - dann mach ich das auch. Und super Leckers gibt es da auch noch dafür! Ich hab Videoaufnahmen aus Roses Kindheit, auf denen man richtig gut sieht, wie sie immer wieder nach ihm schaut und ihre Reaktionen seinen anpasst. Dass das ganze auch sehr viel Potential für gemeinsamen Unfug hatte, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen.

Mir war von Anfang wichtig, dass Buki in dem achgottistdiesüß-Welpentrubel nicht untergeht. Wir beide haben eine sehr besondere Beziehung zueinander und die wollte ich erhalten. Deshalb sind wir von Anfang an immer auch gemeinsam in trauter Zweisamkeit ohne Rose losgezogen und tun das bis heute. Solange Rose klein war und den Buki noch nicht so recht in seiner Person als Nichtgeschwister und Nichtmama einordnen konnte, habe ich geguckt, dass sie lernt, gewisse Grenzen zu respektieren - ohne, dass Buki in die Not kommt, wirklich richtig unfreundlich werden zu müssen. Mir war wichtig, ihn da nicht im Stich zu lassen. Letztendlich war er im Grenzen aufzeigen immer wesentlich besser, passender und effektiver als ich, aber die moralische Unterstützung wollte ich ihm zumindest angedeihen lassen.

Die beiden sind über diese 5 Jahre unglaublich zusammengewachsen. Für mich sind sie vor allem einzelne Persönlichkeiten und so habe ich sie immer behandelt. Aber wenn ich sie - wie z. B. jetzt gerade - zusammen in einem Ridgi Pad ineinander verknotet liegen sehe, wenn ich ihre Kommunikation beobachte, die so fein abgestimmt ist, dass ich an Roses Verhalten Bukis Gesundheitszustand besser ablesen kann als an Bukis Verhalten, dann werden sie zu einer Einheit. Das werden sie natürlich auch nach aussen - als kleine Anmerkung zum Stichwort "Fremdhunde".

So schön das Miteinander der beiden ist: Wenn Buki mal nicht mehr sein wird, dann werde ich Einzelrosenhalter sein. Ganz einfach deshalb, weil ich aus den hier nicht aufgezählten negativen Aspekten meiner persönlich erfahrenen Mehrhundehaltung der Einzelhundhaltung durchaus sehr viel Positives abgewinnen kann.

LG

Susanne