Zitat Zitat von Mathuni Beitrag anzeigen
Ich denke, dass "Sozialkompetenz" ihren Platz durchaus auch in der Hundewelt hat. Hunde unterlaufen ja ab Wurfdatum auch einem Sozialisierungsprozess - und sind irgendwann kompetent. Oder auch nicht. Völlig unfachmännisch und nur aus dem Bauch heraus wird dieser Prozess für mich in seinem Ablauf von drei verschiedenen Dingen gesteuert, die an einer bereits vorgegebenen genetischen Charakter-/Wesensdisposition ansetzen und diese sozusagen feintunen. Die drei Dinge sind das eigene Verhalten, die Reaktion des Gegenübers auf eben dieses Verhalten bzw. die unmittelbaren Konsequenzen und die Steuerung von aussen durch Dritte. Da unterscheidet sich Junghund für mich nicht groß vom Menschenkind.

Das Schwierige für uns als Dritte (egal, ob Eltern oder Hundehalter) ist es, zu erkennen und zu entscheiden, wann wir besser eingreifen/steuern und wann nicht. Ich empfinde das auch nach 2 RR- und nach 2 Kinder-Heranwachszeiten einfach als schwierig und hab den Löffel, auf dem die Weisheit bequem feilgeboten wird, immer noch nicht kredenzt bekommen..
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Ja. So betrachtet hast du Recht: "der Hund, ein soziales Wesen". Insofern ist der Begriff der "Sozialkompetenz"
angebracht.
Zitat Zitat von Mathuni Beitrag anzeigen
(...) Was ich erreichen wollte, habe ich erreicht. Rose braucht mich genaugenommen sozial gar nicht mehr, weil sie auf eigenen Beinen stehen kann und sehr selbstbewusst ist, dennoch orientiert sie sich sehr an mir. Ab und an ist sie etwas zickig, aber sie weiß ganz genau, was wann auch in die Hosen gehen kann und hütet sich, einen Ernstfall zu produzieren. Andererseits kann sie auch unglaublich geduldig sein und sehr feinfühlig und passend auf soziale Problemhunde reagieren.
Diese Schilderung erinnert mich stark an meine verstorbene Selma - mit einigen wenigen Einschränkungen -
Vielleicht resultieren diese Einschränkungen daraus, dass ich ihre Erziehung nicht halb so "generalstabsmässig" angegangen bin wie du, Susanne. Und dann war sie ja ein "zurück gegebener Welpe" als sie zu uns kam und hatte merklich schon Erfahrungen gemacht, die wir ihr ziemlich wahrscheinlich nicht zugemutet hätten.

Nun ja, das ist nun passé - was ich eigentlich sagen will mit meinem Vergleich:
Möglicherweise steckt in unseren Hunden mehr "Erwünschtes" als wir uns in unserem Erziehungseifer träumen lassen.
Vielleicht überschätzen wir uns in unserem Einfluss auf unsere vierbeinigen Begleiter ja auch?

Nein, ich rede hier nicht dem Laissez Faire Prinzip das Wort und es ist mir durchaus bewusst, wie sehr Hunde ein Leben lang unter ungünstigen Startbedingungen leiden können, und mit ihnen ihre Umwelt - dennoch habe ich hin und wieder den Eindruck, dass unsere Erziehungsziele immer mehr und immer anspruchsvoller werden, dass wir den Tieren das beschneiden, was sie zur Ruhe kommen lässt, was aus ihnen in sich ruhende, ausgeglichene, und ja: "sozial kompetente" Charaktere werden lässt.
(Ich glaube @SaBine zog neulich die Parallele von der überbetulichen Kindererziehung zu der ebensolchen Hundeerziehung. Da möchte ich mich anschliessen.)

Zitat Zitat von Mathuni Beitrag anzeigen
Was mich im heutigen Normalalltag oft unglaublich annervt, sind die "der tut-nix-und-wurde-aus-einer-Tötungsstation-gerettet-und-wir-haben-uns-alle-lieb"-Besserhundehalter, die sich eigentlich noch nie mit dem Ausdrucksverhalten von Hunden beschäftigt haben. Nein. Wir haben uns nicht automatisch alle lieb. Weder die Hunde noch die Menschen. Das ist weder in Hundes noch in Menschens genetischem Code.
Das Konglomerat der o.a. Eigenschaften erscheint mir für individuelle HH auch ein bisschen viel, ehrlich gesagt.
Ja, es gibt die, die sich nicht mit dem Ausdrucksverhalten von Hunden auseinandersetzen. Aber die gibt es quer durch alle HH Schichten, die, die den edelsten Rassehund mit den besten Anlagen versauen, weil man so ein Tier braucht, um seinen sozialen Status zu untermauern. Und es gibt auf der ganz anderen Seite der Skala jene, die durchaus "Hunde-kompetent" den Kreaturen eine Chance geben, die bisher nie Glück in ihrem Dasein hatten.

Ja, das "Liebe-Gen" gibt es wohl nicht automatisch in der Grundausstattung, nicht beim Hund, nicht bei uns.
Aber meines Wissens auch nicht das "Ich zerstör dich - Gen", wie das im Umkehrschluss so gerne angenommen wird.

Zitat Zitat von Mathuni Beitrag anzeigen
Herrgott, wie sehr freue ich mich immer über andere Hundehalter, die noch Hunde sehen und die nicht automatisch die Erwartungshaltung der Friedefreudeeierkuchenwelt haben. Die nicht hohldrehen und das Ordnungsamt bemühen, nur weil sich die Hunde mal kurz anbrummen und dann sich gegenseitig ignorierend ihrer Wege gehen, ohne "soooo nett" zu "spielen" . Bei solchen Begegnungen darf Hund wenigstens noch Hund sein.
Jahaaa - genau das meine ich!