Hallo Anja,
ähnliche Erfahrungen in Hülle und Fülle habe ich in langen Jahren intensiver Arbeit mit meiner Hündin gemacht, im Hundesport, in der Jägerschaft etc.
Meiner Ansicht nach verhält sich ein Ridgeback nur selten so, wie man es von anderen
Hunden gewohnt ist - oder erwartet. Das gilt allerdings sowohl für die Erwartungen der Trainer als auch die des Zweibeiners im Team.
Ich brauchte etwas Zeit dazu, meinen Ridgeback und sein Verhalten, insbes. während der
"Arbeit" verstehen zu können - oder zumindest akzeptieren zu können.
Bei Fuß-Laufen? Unter 30 cm Abstand undenkbar.
Reinrufen mit einer optischen Barriere nah im Rücken (Zaun, Wand)? Forget it.
Spurtreue beim Fährten? Ein frommer Wunsch.
Und immer die Forderungen des Übungsleiters im Nacken. Das MUSS doch klappen.
Ausgerechnet ein knallharter Schutzdienst-Sportler, der seit über vierzig Jahren mit seinen Hunden all seine sportlichen Ziele zum Erfolg brachte, ermutigte mich, unseren eigenen Weg zu gehen und vor allem den Hund und seine Art zu arbeiten, zu akzeptieren.
Danke, Alfred.
Also entzogen wir uns freundlich, aber bestimmt, dem ständigen Leistungsdruck, den permanenten Vergleiche mit anderen Sports-Kollegen.
Ein paar Punkte Abzug bei Prüfungen für eine nicht sauber gelaufene Wende sind immer
und gut zu verschmerzen.
Ein paar Punkte Abzug für zögerliches Reinkommen machen es auch nicht mehr aus.
Und das bleierne Schweigen der befreundeten Grünröcke bei in ihren Augen katastrophaler Schweissarbeit? Naja, man muss ja nicht immer reden *g*.
Wir absolvierten im Agility-Training nur noch zwei Übungsläufe. Das sicherte uns das uneingeschränkte Mitleid meiner Vereinsfreunde, die mit ihren deutlich willigeren Hunden
einen Lauf nach dem anderen starten konnten.
Aber siehe da: wir hatten beide viel viel mehr Spass an der gemeinsamen Arbeit.
Und auch die sportlichen Erfolge stellten sich ein. Denn auf eines konnte ich mich immer
verlassen und verlasse mich noch heute drauf: sie weiss immer, wann es darauf ankommt.
Ich kann nur von uns erzählen und dass ich auch viele Ridgebacks gesehen habe, die im
Hundesport total anders gearbeitet haben. Eben zügig, zackig, nah am Bein etc.
Wir zwei sind eben anders.
Irgendwann vor Jahren erklärte mir eine langjährige Züchterin ihre Ansicht über so einige Verhaltensweisen der Ridgebacks. Dass sie gern Fährten kreuzen, um sich immer wieder zu vergewissern, dass sie noch auf der frischesten sind. Dass sie gern ausbrechen, weil sie sich beim Arbeiten im Rudel, bezogen auf die Historie der Rasse, nie auf der Pelle hingen. Und weil eine unübersichtliche Situation ohne einen gewissen
Sicherheitsabstand lebensgefährlich werden konnte.
Zugegebenermaßen setze ich auch bei meiner Hündin einfach voraus, dass sie nicht
hinter jeder Palisade, vor der ich sie reinrufe, einen Löwen vermutet. Aber diese Erklärungen fand ich irgendwie nachvollziehbar. Ob es so ist, weiss ich nicht.
Ich rate nur jedem RR-Menschen, der es hören möchte, sich auf seinen Hund einzulassen.
Eigentlich könnte die Trainerin Euch nen Meter beim Üben schenken. Mit ihrer Ansicht über das Denkvermögen von Hunden würde ich überlegen, ob ich mir das Training dort nicht schenken sollte.
ara


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