Liebe Hedi,
du kannst bei deinen Recherchen bis in das Jahr vor meiner Geburt zurückgehen: Die Doktores Menzel publizierten damals ihre Beobachtungen über die Paria-Hunde. Ein Nachdruck ist 2005 in der Kleinen Brehmbücherei erschienen.
1973 veröffentlichte Alan M. Beck eine Monografie "The Ecology of Stray Dogs. A study of free-ranging urban animals".
In den 80ern des vergangenen Jahrhunderts begannen italienische Biologen um L. Boitani mit der Erforschung wild lebender Hunde in den Abruzzen. Eine Zusammenfassung findet man in dem Buch von James Serpell "The Domestic Dog, its evolution, behaviour and interactions with people".
Natürlich dürfen in dieser Auflistung die amerikanischen Biologen Ray und Lorna Coppinger nicht fehlen. Ich zitiere aus dem Buch "Dogs" (2001: 80):
"In fact, contrary to popular belief, dogs around the world do not (or only rarely) exhibit "pack" behavior." Wie man sieht, wird in der "Hundetrainer-Szene" nicht die gesamte Verhaltensforschung in Frage gestellt .

Soziale Strukturen sind Anpassungen an bestimmte Umweltbedingungen. Wenn alle mehr oder weniger frei lebenden Hundepopulationen erforscht sind wird man feststellen, dass Sozialverhalten genauso variiert wie die Umweltbedingungen, unter denen diese Tiere leben.

Das eigentliche Problem ist, dass aus sozialen Interaktionen innerhalb einer Art unumstößliche Regeln für das Zuammenleben von Individuen zweier Arten extrahiert werden. Wölfe sind Wölfe, Hunde sind Hunde. Menschen sind keines von beiden. Unser Haushund lebt in einer besonderen Umwelt, die Menschenwelt. Anstatt von wilden Tieren auszugehen sollten wir unseren vierbeinigen Begleitern helfen, sich an die speziellen Umweltbedingungen anzupassen. Die Hund-Mensch-Beziehung sollte dominiert ;) werden von Mitgefühl und Wissen. Wissen, welches immer wieder erweitert wird, und nicht auf dem Stand von 1980 bleibt. Wissen sollte nicht mit Wunschdenken verwechselt werden.

Liebe Grüße,
Ute BB mit Ashanti, Bansai und Scotty. Baru begleitet uns auf der anderen Seite des Weges.