Ich glaube nicht, dass wir hier auf einen gemeinsamen Nenner kommen – ist auch nicht schlimm. Interessant sind die verschiedenen Ansichten trotzdem!
Ich denke mal, dass das Wort “Urspruenglichkeit” subjektiv verschieden ausgelegt wird, woraus auch unterschiedliches Verstaendnis resultiert.
Natuerlich haben unsere Hunde auch nach Langzeit-Domestizierung nicht ihre Sinne bzw. Instinkte verloren, sonst waeren sie dem Menschen ja nicht nuetzlich gewesen (und geblieben) und ihr Status im Gefuege der Welt waere heute ein anderer.
Und genauso natuerlich haben sie durch ihre Anpassung viel gewonnen, was ihre Art ueberleben laesst, aber auch einiges verloren. Der Fall Rosi war faszinierend, aber ich bin nicht sicher, ob man das verallgemeinern kann.
Ich hatte ein “Rudel” von fuenf RRs (momentan noch zwei) und konnte gut beobachten, wie unterschiedlich sich genetisch festgelegte und anerzogene Verhaltensweisen auspraegen.
Mein Jahrtausendhund Batoka zum Beispiel war ein absoluter Traum, was das Zusammenleben anging. Sie liebte Harmonie und tat alles dafuer.
Sie war voellig gefallsuechtig – suechtig danach, mir jeden Gefallen zu tun. Ich war ihr Gott und die Welt nur dann in Ordnung, wenn sie in meinen Kniekehlen angedockt war.
Die Erziehung war ein Klacks, sie wusste schon allesund zeigte mir, wie man es macht. Und sie war eine fantastische Gouvernante fuer die vier anderen Hunde, die alle als Welpen dazukamen.
Sie war ein Traumhund – aber urspruenglich? Nein, das war sie nicht. Sie war das, was man perfekt integriert nennt und sie war gluecklich damit.
Chakka war ihr ein wenig aehnlich, sie liebte Bequemlichkeit, gelobt zu werden, ausgiebige Toberunden, aber wenn ich sagte: genug – okay, dann war es eben genug. Mein Wort galt.
Mit Zambo und Zulu ist es aehnlich, auch wenn ich da schon mal deutlich nachdruecklicher werden muss.
Mit Chakanee aber war alles anders – von Anfang an. Klein und zaeh hat sie sich durchgekaempft und eine Kaempferin ist sie geblieben bis zum (leider viel zu fruehen) Schluss.
Dieser Hund bestand nur aus Nase, Augen und Ohren – sie vibrierte geradezu, wenn es rausging in die Natur. Regen, Sturm oder Gewitter waren ihr voellig egal, Angst war ein Fremdwort fuer sie.
Aber sie konnte sehr gut einschaetzen, was nach IHRER Definition gefaehrlich war. Wenige Wochen vor ihrem Tod im Oktober 2012 gab es hier ein grosses Erdbeben. Schon eine halbe Stunde vorher war Kani unruhig, rannte hin und her und machte alle nervoes. Sie hatte es gespuert – alle anderen Hunde waren von den maechtigen Erdstoessen, die dann kamen, genauso ueberrascht wie wir.
Chakanee war das, was man als unbezaehmbar bezeichnet – ein Abglanz des urspruenglichen Wilden. Sie passte sich wohl an, aber ganz dicht unter der Oberflaeche brodelte es und jede noch so kleine Gelegenheit oder Chance wurde genutzt, um dieses unbaendige Selbstgefuehl auszuleben.
Und damit meine ich nicht Ungehorsam oder Ignoranz - sie war einfach Teil der Natur und brauchte diese Freiheit.
Sie akzeptierte mich wohl als den Wortfuehrer, aber diesen Status musste ich mir jeden Tag aufs Neue “erkaempfen”. Ich war ihr Kumpel, aber nicht ihr Gott. Sie gab mir immer das Gefuehl, dass sie hier mit uns lebte, weil sie es wollte, nicht weil sie es musste! Sie liebte mich, aber sie brauchte mich nicht!
Und sie war der einzige meiner Hunde, dem ich es ohne weiteres zugetraut haette, in freier Wildnis zu ueberleben.
Sie war das, was ICH urspruenglich und noch unverbildet nenne.
Das ist uebrigens auch gar nicht so viel anders bei Menschen. 80% der sinnlichen Wahrnehmung des Menschen funktioniert mittlerweile ueber die Augen – weil das in der eng gewordenen Gesellschaft ueberlebenswichtig ist. Gehoer- und Geruchssinn sind untergeordnet, Tastsinn und Geschmack nur noch dem Wohlfuehlen zugeordnet. Und das Spueren haben wir fast voellig verlernt.
Dennoch sind all diese Sinne rudimentaer vorhanden und koennen wieder aktiviert werden. Natuervoelker haben sich das erhalten.
Aehnlich, denke ich, geht es den Hunden. Aber angepasst lebt es sich leichter und der Urinstinkt ist immer derselbe: Ueberleben, so gut wie moeglich.
DAS jedenfalls haben die Hunde gut hinbekommen.
LG
Heike


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und zeigte mir, wie man es macht. Und sie war eine fantastische Gouvernante fuer die vier anderen Hunde, die alle als Welpen dazukamen.

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